Artikel · Digitale Vorsorge & Nachlass

Digitaler Nachlass: Was Sie für Ihre Konten und Daten festlegen können

Wer soll später auf Ihre Fotos, Nachrichten und Konten zugreifen? So halten Sie digitale Wünsche fest und klären Zugang und Zuständigkeiten.

Die kurze AntwortWas sollen meine Kinder einmal mit den Familienfotos machen? Und welche Nachrichten sollen privat bleiben? Solche Fragen führen schnell über das Smartphone hinaus. Es geht um Menschen, denen Sie vertrauen, und darum, was von Ihrem Leben weitergegeben werden soll. Digitale Vorsorge hält diese Wünsche fest. Sie hilft auch denjenigen, die sich später um Ihre Konten kümmern und sonst vieles nur vermuten könnten.

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Über das sprechen, was Ihnen wichtig ist

Über den eigenen Tod zu sprechen, kann schwerfallen — auch mit Menschen, die einem nahestehen. Ein vertrautes Thema kann den Anfang erleichtern: die gemeinsamen Urlaubsfotos oder ein Album, das Sie jemandem schenken möchten. Daraus ergibt sich oft die nächste Frage: Wo liegen diese Bilder eigentlich, und wie würde die andere Person sie finden?

Vorsorge kann außerdem wichtig werden, wenn Sie etwa während eines Krankenhausaufenthalts Unterstützung brauchen. Was jemand dann für Sie erledigen soll, kann sich von Ihren Wünschen für die Zeit nach Ihrem Tod unterscheiden. Die folgenden Abschnitte helfen Ihnen, beides auseinanderzuhalten und für ein Gespräch festzuhalten.

Ein blauer Ordner mit Foto, Briefsymbol und Notizen; daneben ein Schlüssel.
Wünsche und Zugang festhaltenZur Kontenübersicht gehören die eigenen Wünsche und die Frage, wer später handeln darf.KI-erstellte Illustration · medienkundig

Was gehört zu Ihrem digitalen Nachlass?

Denken Sie an das, was Sie im Alltag öffnen: das E-Mail-Postfach, die Foto-App, einen Messenger, das Kundenkonto beim Telefonanbieter. Dazu kommen vielleicht ein Online-Abonnement, Dokumente auf dem Computer oder ein alter USB-Stick. Nicht alles liegt im Internet. Auch auf einem ausgeschalteten Laptop können wichtige Dateien gespeichert sein.

Beginnen Sie bei den Dingen, die jemand später finden müsste. Die E-Mail-Adresse ist dabei besonders wichtig: Über sie laufen oft Rechnungen und Nachrichten anderer Dienste. Ein Papierordner kann auf das Postfach hinweisen, ohne dessen Passwort offen herumliegen zu lassen.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Konten und gewünschte Maßnahmen zu erfassen sowie eine Vertrauensperson einzubeziehen. Sie bietet dafür auch Material zur Vollmacht. Eine selbst geschriebene Übersicht hilft bei der Vorbereitung; ob eine Person handeln darf, muss zusätzlich geklärt werden.

Quelle: Verbraucherzentrale: Digitale Vorsorge

Für Deutschland hat der Bundesgerichtshof 2018 entschieden: Der Nutzungsvertrag eines sozialen Netzwerks geht grundsätzlich auf die Erben über, einschließlich des Zugangs zu gespeicherten Nachrichten. Das Urteil betrifft die Rechtsnachfolge. Wie Angehörige ihren Anspruch nachweisen und Zugang erhalten, ist eine weitere Frage. Eine vorsorglich benannte Hilfsperson ist zudem nicht automatisch Erbin oder Erbe.

Quelle: BGH: Digitaler Nachlass, Urteil III ZR 183/17 vom 12. Juli 2018

Ihre Wünsche dürfen sich unterscheiden

Die Urlaubsfotos sollen an die Familie gehen, private Nachrichten vertraulich bleiben: Bei verschiedenen Teilen Ihres Nachlasses können Ihnen unterschiedliche Dinge wichtig sein. Halten Sie diese Wünsche einzeln fest. Bei einer Sammlung von Sprachnachrichten brauchen Sie womöglich noch Zeit für eine Entscheidung; auch das lässt sich vermerken.

Notieren Sie bei den einzelnen Konten oder Sammlungen, was Sie sich wünschen: bewahren, weitergeben oder löschen. Wo Sie sich noch unsicher sind, schreiben Sie das dazu. So können Sie im nächsten Gespräch genau dort anknüpfen.

Ein Fotoalbum zeigt, warum Genauigkeit hilft. Sie können wünschen, dass Ihr Bruder die Bilder bekommt. Soll er auch Kopien an andere verteilen? Dürfen einzelne Fotos auf einer öffentlichen Gedenkseite erscheinen? Wer eine Datei erhalten soll und wer sie veröffentlichen darf, sind unterschiedliche Fragen. Aufnahmen können außerdem andere Menschen zeigen, deren Interessen zu berücksichtigen sind.

Was ein Profil für Hinterbliebene bedeuten kann

Ein erhaltenes Profil kann für Angehörige ein Ort gemeinsamer Erinnerungen sein. Andere möchten ihm im Alltag nicht immer wieder begegnen. Auch das endgültige Entfernen kann schmerzen, weil damit Nachrichten und Kommentare verschwinden. Diese unterschiedlichen Beziehungen zu einem Profil sind ein Grund, Wünsche schon zu Lebzeiten zu besprechen.

Quelle: Elaine Kasket: Access to the Digital Self in Life and Death (2013)

Halten Sie fest, ob ein Profil gelöscht werden soll, welche Inhalte vorher gesichert werden dürfen und wer sich darum kümmern soll. Fragen Sie die vorgesehene Person auch, ob sie sich diese Aufgabe zutraut. Der Zugang zu privaten Nachrichten kann emotional belastender sein als das Kündigen eines Abonnements. Die rechtlichen Befugnisse und Möglichkeiten des Anbieters bleiben zusätzlich zu klären.

Quelle: Verbraucherzentrale: Digitale Vorsorge

Wen möchten Sie einbeziehen?

Fragen Sie die Person zunächst, ob sie diese Aufgabe übernehmen möchte. Technische Hilfe und persönliche Vertrautheit müssen nicht bei derselben Person liegen. Eine Angehörige kennt vielleicht Ihre Wünsche; ein anderer Mensch kann erklären, wo eine Sicherung gespeichert ist. Besprechen Sie, wer welche Unterstützung leisten soll.

Ein Gespräch könnte so beginnen: „Mir sind unsere Fotos wichtig. Ich möchte gern mit dir besprechen, was später damit geschehen soll.“ Vielleicht braucht Ihr Gegenüber einen Moment, um sich darauf einzulassen. Verabreden Sie dann einen passenden Zeitpunkt und beginnen Sie mit dem Thema, das Ihnen beiden vertraut ist.

Für rechtsverbindliche Regelungen, etwa eine Vollmacht und deren Geltung über den Tod hinaus, nutzen Sie geeignete Beratung. Bestehende Vorsorgeunterlagen sollten zu Ihren digitalen Wünschen passen. Ein Name in einer Kontenliste ersetzt diese Abstimmung nicht.

Quelle: Verbraucherzentrale: Digitale Vorsorge

Ein bekanntes Passwort löst noch nicht den Zugang

Eine Anmeldung kann zusätzlich ein bestätigtes Smartphone, einen Sicherheitsschlüssel oder einen Wiederherstellungscode verlangen. Das ist ein sinnvoller Schutz Ihres Kontos. Zur Vorsorge gehört deshalb die Frage, wie ein berechtigter Zugriff später möglich wäre, wenn gerade dieses Gerät fehlt.

Quelle: Google: Probleme mit der Zwei-Faktor-Authentifizierung

Trennen Sie eine allgemeine Übersicht von geheimen Zugangsinformationen. In ein Arbeitsblatt für einen Kurs gehören weder Passwörter noch Gerätecodes. Für die vertrauliche Ablage wählen Sie einen geschützten Ort und klären mit der vorgesehenen Person, wie sie ihn im vereinbarten Fall erreicht. Denken Sie an einen möglichen Kreis: Die Anleitung darf nicht ausschließlich in dem Konto liegen, für dessen Zugang sie gebraucht wird.

Manche Anbieter haben eigene Nachlassfunktionen. Apple ermöglicht beispielsweise einen Nachlasskontakt. Für einen Zugriffsantrag werden laut Apple ein Zugriffsschlüssel und eine Sterbeurkunde benötigt. Der Zugang umfasst nicht alles: Passwörter und Passkeys im iCloud-Schlüsselbund sowie bestimmte gekaufte Inhalte sind ausgeschlossen. Lesen Sie deshalb die Bedingungen des konkreten Dienstes, bevor Sie sich auf eine solche Funktion verlassen.

Quelle: Apple: Nachlasskontakt hinzufügen

Google bietet einen Kontoinaktivität-Manager. Sie können dort Kontakte sowie bestimmte Datenarten auswählen und einen Zeitraum ohne Kontonutzung festlegen. Auslöser ist die Inaktivität des Kontos; das Verfahren verlangt nicht denselben Todesnachweis wie Apples Nachlasskontakt. Prüfen Sie daher, ob die ausgewählten Daten und der Auslöser zu Ihren Wünschen passen. Besprechen Sie die Aufgabe selbst mit den Kontakten: Google benachrichtigt sie während der Einrichtung noch nicht.

Quelle: Google: Kontoinaktivität-Manager

Einen Wunsch so aufschreiben, dass andere ihn verstehen

„Mein Neffe soll die Familienfotos bekommen.“ Dieser Satz hält einen wichtigen Wunsch fest. Für den Neffen bleibt aber offen, welche Bilder gemeint sind und wo er sie findet. Ergänzen Sie deshalb den Namen des Fotokontos oder den Ort des Albums und besprechen Sie mit ihm, ob er sich darum kümmern möchte.

Auch die spätere Weitergabe lässt sich dazuschreiben: Soll er die Bilder nur aufbewahren oder mit der Familie teilen? Die Zugangsdaten bewahren Sie gesondert und geschützt auf. In der Übersicht steht, wie eine berechtigte Person diese Ablage im vereinbarten Fall finden kann.

Ihre Gesprächshilfe für zu Hause

  • Das ist mir wichtig: …
  • Für diese Situation halte ich meinen Wunsch fest: …
  • Diese Person möchte ich fragen: …
  • Hier liegt meine geschützte Übersicht: …
  • Das muss ich noch technisch oder rechtlich klären: …
  • Zuletzt angesehen am: …

Prüfen Sie die Notiz wieder, wenn sich etwas Wesentliches ändert: eine neue E-Mail-Adresse, ein anderes Telefon oder eine andere Vertrauensperson. Auch Ihre Wünsche können sich ändern. Streichen Sie alte Angaben so, dass später erkennbar ist, welche Fassung gilt.

Häufige Fragen

Muss ich gleich alle Konten sammeln? Beginnen Sie mit dem, was für Sie besonders wichtig ist. Eine kurze zutreffende Übersicht ist nützlicher als ein großes Vorhaben, das nie angefangen wird. Weitere Dienste können Sie später ergänzen.

Soll meine Familie einfach mein Konto weiterbenutzen? Klären Sie zuerst Befugnisse und das Verfahren des Anbieters. Die Kenntnis eines Passworts allein beantwortet weder die rechtlichen Fragen noch die Frage nach Ihren Wünschen.

Wo fange ich heute an? Schreiben Sie den Namen eines wichtigen Kontos auf und einen Satz dazu, was damit geschehen soll. Lassen Sie Platz für die Fragen, die erst im Gespräch entstehen.

Begriffe zum Artikel

  • E-Mail-Adresse – Eine E-Mail-Adresse benennt ein Ziel für Nachrichten. Sie besteht aus einem Namen vor dem @ und einer Domain dahinter.
  • Datenschutz – Regeln und Maßnahmen zum Schutz von Menschen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten.
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung – Zwei-Faktor-Authentifizierung schützt eine Anmeldung mit zwei verschiedenen Nachweisen, etwa einem Passwort und einem Sicherheitsschlüssel.
  • Digitaler Nachlass – Die digitalen Daten, Konten und zugehörigen Rechte und Pflichten, die ein Mensch nach seinem Tod hinterlässt.
  • Digitale Vorsorge – Vorab festlegen, was mit deinen Geräten, Konten und Daten geschehen soll, wenn du sie nicht mehr selbst verwalten kannst.
  • Nachlasskontakt – Eine bei einem Anbieter festgelegte Person, die nach deinem Tod bestimmte Kontodaten erhalten kann.
  • Kontoinaktivität-Manager – Eine Google-Einstellung für Benachrichtigungen und die Weitergabe ausgewählter Daten nach längerer Kontoinaktivität.
  • Passwortmanager – Ein Programm, das Zugangsdaten speichert und beim Verwenden unterschiedlicher Passwörter hilft.
  • Datenexport – Das Ausgeben von Daten aus einer App oder einem Konto als Dateien, die du separat aufbewahren kannst.

Quellen und weiterführende Erklärungen

· Quellenstand: 20. September 2026. Die Lernbeispiele sind erfunden.

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