Artikel · Digitale Vorsorge & Nachlass

Digitale Vorsorge in der Erwachsenenbildung: Ein Workshop zum gemeinsamen Üben

Ein 90-minütiger Kursentwurf mit Fallkarten, Gesprächsfragen und privater Arbeitsphase. Für Kursleitungen, die digitale Vorsorge verständlich vermitteln.

Die kurze AntwortÜber Fotos, Konten und den eigenen Nachlass nachzudenken, berührt für jeden Menschen etwas anderes. Manche möchten ihrer Familie Arbeit abnehmen. Andere wollen persönliche Erinnerungen bewahren oder wissen, was mit privaten Nachrichten geschieht. Ein Kurs bringt diese Fragen zusammen. Er braucht Zeit zum Verstehen und einen Rahmen, in dem persönliche Dinge persönlich bleiben können.

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Gemeinsam lernen, ohne Privates offenlegen zu müssen

Für Kursleitende liegt darin eine besondere Aufgabe: verständlich erklären und zugleich aufmerksam bleiben für das, was ein Thema bei den Teilnehmenden auslöst. Hinter einer Frage zum Fotokonto kann eine technische Unsicherheit stehen, aber auch die Erinnerung an einen verstorbenen Menschen. Wie viel jemand davon erzählen möchte, entscheidet die Person selbst.

Der folgende Entwurf für 90 Minuten arbeitet deshalb mit erfundenen Fallkarten. Die Gruppe kann daran Fragen klären, ohne eigene Konten zu öffnen. Wer möchte, überträgt später einen Gedanken auf die eigene Situation. Der Ablauf ist noch nicht praktisch erprobt und sollte vor Ort an die Gruppe angepasst werden.

Übungsblätter, ein Stift und eine Uhr liegen auf einem runden Tisch.
Mit erfundenen Fällen arbeitenIm 90-Minuten-Entwurf bleiben persönliche Konten und private Zugangsdaten geschlossen.KI-erstellte Illustration · medienkundig

Ein Lernziel, das sich beobachten lässt

Die BAGSO-Handreichung „Wie Bildung im Alter gelingt“ betont selbstbestimmtes Lernen: Interessen und Erfahrungen der Teilnehmenden gehören in die Gestaltung eines Angebots. Daran orientiert sich dieser Kursentwurf. Die Gruppe wählt mit aus, welche Fragen sie bearbeitet; der persönliche Arbeitsschritt bleibt freiwillig.

Quelle: BAGSO: Wie Bildung im Alter gelingt (Handreichung, 2. Auflage 2023)

Am Ende sollen Teilnehmende in einem kurzen Beispiel unterscheiden können: Was wünscht sich die Person? Wer soll sich darum kümmern? Welche Frage zum Zugang oder zur Befugnis ist noch offen? Diese Unterscheidung lässt sich anhand einer neuen Fallkarte besprechen.

„Die Teilnehmenden haben ihren Nachlass geregelt“ wäre für diesen Termin ein zu großes Ziel. Rechtliche Gestaltung, technische Einrichtung und persönliche Entscheidungen benötigen je nach Situation weitere Arbeit. Im Workshop entsteht zunächst ein nachvollziehbarer nächster Schritt.

Die Verbraucherzentrale bietet fachliche Orientierung zur digitalen Vorsorge. Nutzen Sie den Ratgeber zur Vorbereitung und für weiterführende Fragen; geben Sie Ihren eigenen Kursablauf als pädagogischen Entwurf zu erkennen.

Quelle: Verbraucherzentrale: Digitale Vorsorge

Was Sie vorbereiten

Sie brauchen zwei ausgedruckte Fallkarten, leeres Papier und Stifte. Drucken Sie in gut lesbarer Größe und mit ausreichend Abstand. Fragen Sie bei der Anmeldung nach benötigter Unterstützung, statt aus dem Alter auf die Fähigkeiten einer Gruppe zu schließen.

Ein eigenes Smartphone ist für die Übungen nicht erforderlich. Wer lieber zuhört, kann sich die Fallkarte vorlesen lassen. Sorgen Sie dafür, dass Kleingruppen auch ohne Schreiben zu einem Ergebnis kommen können, etwa durch mündliches Sortieren mit einer Person, die die Notizen übernimmt.

Fragen Sie zu Beginn, welche Situation die Gruppe bearbeiten möchte: Fotos weitergeben, ein E-Mail-Konto auffindbar machen oder ein Abonnement klären. Lassen Sie die Wahl auf die erste Fallkarte einwirken. Eine eigene Erfahrung darf eingebracht werden; private Unterlagen bleiben dafür geschlossen.

Quelle: BAGSO: Wie Bildung im Alter gelingt (Handreichung, 2. Auflage 2023)

Klären Sie vorab, welche Beratungsstellen oder Fachpersonen bei rechtlichen und technischen Einzelfragen weiterhelfen. Im Hospizumfeld sollte eine fachkundige Person aus der Begleitung den Ablauf mitplanen. Der DHPV führt digitale Kursangebote aus diesem Bereich auf, die zusätzliche Anregungen geben können. Eine fachliche Prüfung unseres Entwurfs ist damit nicht verbunden.

Quelle: DHPV: Digitale Kurse und Seminare

Der Ablauf für 90 Minuten

0–10 Minuten: Ankommen und Freiwilligkeit erklären

Sagen Sie zu Beginn, dass niemand einen Verlust, eine Erkrankung oder private Familienverhältnisse schildern muss. Auch Passwörter und eigene Nachrichten bleiben privat. Die Übungen beziehen sich auf erfundene Personen. Wer eine Aufgabe auslassen möchte, kann zuhören oder eine Pause machen.

Stellen Sie das Lernziel vor und fragen Sie nach Erwartungen, soweit die Teilnehmenden sie teilen möchten. Schreiben Sie Fragen auf, die heute nicht bearbeitet werden können. So gehen sie nicht verloren und müssen nicht mit einer vorschnellen Antwort abgeschlossen werden.

10–25 Minuten: Die erste Fallkarte lesen

Frau Sommer möchte, dass ihr Sohn später ausgewählte Urlaubsfotos bekommt. Private Nachrichten sollen vertraulich bleiben. Sie nutzt ein Fotokonto, ein E-Mail-Postfach und ein Smartphone. Der Sohn weiß noch nichts von ihrem Wunsch.

Lesen Sie den Fall vor und geben Sie Zeit für Rückfragen zum Text. Fragen Sie zuerst nur: „Was wissen wir bereits?“ Trennen Sie beim Sammeln klar zwischen einer Angabe auf der Karte und einer Vermutung aus der Gruppe.

25–45 Minuten: Offene Fragen sortieren

Die Kleingruppen halten fest, welche Entscheidung noch fehlt und wer sie klären könnte. Mögliche Ergebnisse: Welche Fotos meint Frau Sommer? Möchte der Sohn die Aufgabe übernehmen? Wie wird ein berechtigter Zugang vorbereitet? Wer hilft bei den rechtlichen Regelungen?

Bitten Sie jede Gruppe, eine Frage auszuwählen, mit der sie beginnen würde. Lassen Sie die Auswahl begründen. Eine Gruppe kann beim Gespräch mit dem Sohn beginnen, eine andere bei der genaueren Fotoauswahl. Besprechen Sie, ob der Vorschlag die Wünsche aus der Fallkarte berücksichtigt.

45–55 Minuten: Pause

Planen Sie die Pause tatsächlich ein. Verlegen Sie persönliche Rückfragen bei Bedarf in einen geschützten Rahmen nach dem Kurs. Teilnehmende sollten in der Pause weder ihre Geräte zur allgemeinen Prüfung abgeben noch Zugangsdaten an die Kursleitung weiterreichen.

55–75 Minuten: Ein eigener Schritt auf einem privaten Blatt

Jetzt dürfen die Teilnehmenden einen eigenen Dienst auswählen und für sich notieren: „Das möchte ich klären …“ Alternativ bleiben sie bei Frau Sommer. Die Blätter werden nicht eingesammelt oder fotografiert.

Wer Unterstützung beim Formulieren möchte, kann eine allgemeine Frage stellen, ohne den Kontonamen oder private Inhalte zu nennen. Helfen Sie, den nächsten Schritt klein genug zu machen: ein Gespräch vereinbaren, einen Speicherort prüfen oder eine Beratungsfrage notieren.

75–85 Minuten: Mit einem zweiten Fall prüfen

Zweite erfundene Fallkarte: Zwei Geschwister kümmern sich um den digitalen Nachlass ihres Vaters. Eine Person schaut sein Profil gern an. Die andere empfindet die wiederkehrenden Bilder als schmerzhaft und möchte das Profil löschen. Der Vater hat dazu keinen Wunsch hinterlassen.

Fragen Sie: „Welche Wünsche stehen hinter den beiden Positionen? Was betrifft die eigene Ansicht, was würde Inhalte für alle entfernen? Was müsste vor einer endgültigen Entscheidung geklärt werden?“ Die Aufgabe hat kein vorgegebenes Ergebnis „löschen“ oder „behalten“. Sie soll helfen, persönliche Grenzen, gemeinsame Interessen und offene Befugnisse zu unterscheiden.

85–90 Minuten: Freiwilliges Abschlussfeedback

Fragen Sie nach einer verständlichen Stelle und einer noch offenen Frage. Wer möchte, nennt den eigenen nächsten Schritt allgemein. Ein persönlicher Vorsatz muss nicht vor der Gruppe vorgelesen werden.

Was hat der Gruppe geholfen?

Nach dem Termin kann die Kursleitung festhalten, welche Fragen erkannt wurden, wo Begriffe unklar blieben und ob die Zeit reichte. Verzichten Sie dabei auf personenbezogene Angaben zu privaten Konten oder Familiengeschichten.

Eine passende Antwort auf die zweite Fallkarte zeigt etwas über das Verständnis in dieser Situation. Sie belegt noch nicht, dass zu Hause eine Vollmacht eingerichtet, eine Sicherung geprüft oder ein Konto geändert wurde. Fragen Sie bei einem Folgetermin freiwillig nach Erfahrungen mit dem nächsten Schritt, statt aus dem Abschlussfeedback langfristige Wirkungen abzuleiten.

Für Ihre Kursplanung

Lesen Sie die Fallkarten vor dem Termin laut und prüfen Sie, welche Begriffe eine Erklärung brauchen. Wenn die Gruppe bei einer Frage länger verweilen möchte, können Sie eine spätere Aufgabe kürzen oder auf einen Folgetermin verschieben. Entscheidend ist, dass die Teilnehmenden ihren nächsten Schritt verstehen und wissen, wo sie bei offenen Fragen Unterstützung finden.

Begriffe zum Artikel

  • Datenschutz – Regeln und Maßnahmen zum Schutz von Menschen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten.
  • Cloud-Sicherheit – Cloud-Sicherheit schützt Daten bei Online-Diensten. Entscheidend sind Kontozugang, Freigaben, Geräteschutz und eine unabhängige Sicherung.
  • Digitale Vorsorge – Vorab festlegen, was mit deinen Geräten, Konten und Daten geschehen soll, wenn du sie nicht mehr selbst verwalten kannst.
  • Digitaler Nachlass – Die digitalen Daten, Konten und zugehörigen Rechte und Pflichten, die ein Mensch nach seinem Tod hinterlässt.
  • Backup (Datensicherung) – Eine zusätzliche Kopie wichtiger Daten, aus der du verlorene oder beschädigte Dateien wiederherstellen kannst.
  • Nachlasskontakt – Eine bei einem Anbieter festgelegte Person, die nach deinem Tod bestimmte Kontodaten erhalten kann.
  • Kontoinaktivität-Manager – Eine Google-Einstellung für Benachrichtigungen und die Weitergabe ausgewählter Daten nach längerer Kontoinaktivität.
  • Einwilligung – Eine freiwillige und informierte Zustimmung zu einer bestimmten Verwendung persönlicher Daten.

Quellen und weiterführende Erklärungen

· Quellenstand: 20. September 2026. Die Lernbeispiele sind erfunden.

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